Startseite Lektionen Wortschatz Grammatik Forum
Galerie Rezepte Übersicht Kontakt/Impressum Spenden
 

Erste Unternehmungen

Seit mittlerweile drei Stunden ruhen Sie sich in Ihrem Hotelzimmer aus. Sie haben sich frischgemacht und beim Ausblick aus dem Hotelzimmerfenster auf die Strassen der umtriebigen Innenstadt bekommen Sie Lust, etwas zu unternehmen. Die Sonne scheint warm an diesem Frühlingstag und Sie erkundigen sich an der Rezeption...

     
   

Wir würden gerne einen Ausflug unternehmen. Was können Sie uns denn da empfehlen?

Mià dadn geàn a bissl umanandschaung. Wo kand ma dò higeh?

     

Bei diesem schönen Wetter könnte ich Ihnen einen Ausflug in einen der nahegelegenen Biergärten empfehlen.

Bei dem schena weda dad i sōng, gez hoid nacha in näxdn Biagādn.

   

Das ist eine hervorragende Idee. Wie kommen wir denn da hin?

Des is as a ganz a guade idä. Wià dadman nacha do hikumma?

   

Da können Sie verschiedene Möglichkeiten wählen. Mit der Trambahn, dem Taxi, dem Fahrrad oder zur Not auch zu Fuß.

Des kennz macha, wiàs woiz. Mid da Drambān, am Daxi, am Radl oda wenn's sei muas ā z'Fuàs.

   

Mit der Trambahn kennen wir uns wohl nicht so gut aus, Taxi halte ich für zu teuer und zu Fuß muß nicht unbedingt sein. Ich glaube wir nehmen das Fahrrad.

Mid da Drambān kemma uns ned aus, s'Daxi moan i is z'daia und z'Fuàs mechad i jez ā ned geh. I glāb, mià fan mim Radl.

     

Wie Sie wünschen. Gleich hier links um die Ecke nach ca. 50 Metern finden Sie den Fahrradverleih. Ich wünsche gute Fahrt.

Is ma ā rechd. Glai do lings um d'Eggn fuchzg Medda weida is da Radlmō. Guàz waidakumma.

     
 

Erläuterungen zur Lektion

Der Bayer behauptet von sich, ein tatkräftiger Mensch zu sein, eine Tatsache, die sich auch in der Sprache widerspiegelt. Gerne verwendet er zusätzlich das Verb 'doà' ('tun'), um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen. In Kombination mit dem höflichen Konjunktiv entsteht dadurch die Form 'dadn' ('täten'), eine sehr häufig verwendete Ausdrucksweise nicht nur im Fragesatz ('I dad geàn a hoiwe Bià bschdein.' - 'Ich hätte gern ein halbes Bier bestellt.').

Man überläßt dem Gesprächspartner normalerweise die Wahl der Entscheidung, weniger aus Höflichkeit, sondern weil dem Bayern ausser seinen eigenen Belangen der Rest der Welt prinzipiell 'wuàscht', also gleichgültig ist. Im Bayrischen kursiert diesbezüglich ein geflügelter Spruch: 'Des kōnsd macha wià da Dòchdegga, Ziegen fakeàt himacha, dass Wassa nauflaft, na sparst da Dòchrinna' ('Das kannst du machen, wie der Dachdecker, die Ziegeln verkehrt montieren, dass das Wasser hinaufläuft, dann sparst du dir die Dachrinne'). Kurz gesagt: Mach es wie du willst, wenn du meinst, dass es so richtig ist! Aber lass mir meine Ruhe.

Generell gibt es im Bayrischen die Tendenz zur sprachlichen Vereinfachung. Das bedeutet nicht, dass die Sprache dadurch verarmen würde, sondern es bietet den Nährboden für neue Kreationen. So wird aus dem unpersönlichen 'Fahrradverleih' oder 'Fahrradreparatur' der freundliche 'Radlmō' von nebenan. Eine besonders interessante Variante ist der sogenannte 'Fòznspangla', der 'Mundspengler', hochdeutsch 'Zahnarzt'. Man munkelt, dass es die Angst vor dem Zahnarzt ist, die solche tendenziell abfällige Wortbildungen zu Tage fördert...

Hier geht's zu Lektion 5...